Wienerland Zeitung
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Erstellungsdatum: 07. April 2022, 20:13 Uhr


Autor: Fritz Peterka

Milchwirtschaft: Bilanz 2021 und Ausblick 2022

 

li. Dir Petschar, re. Mag. DI Költringer


Milchwirtschaft: Bilanz 2021 und Ausblick 2022

 

Am Donnerstag, 7. April 2022, fand eine PK mit Dir. Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch reg.Gen.m.b.H., Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), und Mag. DI Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) in Wien statt. Thema „Milchwirtschaft: Bilanz 2021 und Ausblick 2022"

Es wurde darauf hingewiesen, dass massive Kostensteigerungen infolge Corona und Ukrainekrieg stattfanden. Die Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie wurde weiter ausgebaut.

Das Jahr 2021 war noch immer von den Auswirkungen der Corona Pandemie geprägt, dabei machten der Milchwirtschaft nicht nur Lieferausfälle infolge von Schließungen im Tourismus und in der

Gastronomie zu schaffen, sondern die massiven Kostensteigerungen bei Vorleistungen, insbesondere bei Rohstoffen und Verpackungen, Treibstoffen, Gas, Strom, Früchten und diversen Dienstleistungen. Diese betreffen die Molkereien und die Landwirte.

Der Ukrainekrieg verschärft Kostendruck und Gasversorgung. Der Ukrainekrieg brachte bei Vorleistungen weitere Verschärfungen und Mehrkosten. Auch wurden verschiedene Futtermittel drastisch verteuert. Besonders wichtig ist für die Milchwirtschaft die sichere Versorgung mit Gas, das zu 80 % aus Russland kommt. Kostensteigerungen wurden nicht abgegolten.

Die internationalen Notierungen für Milchprodukte erreichten vor diesem Umfeld Rekordwerte, allerdings konnten die eingetretenen Kostensteigerungen und die steigenden internationalen

Notierungen bei Milchprodukten aufgrund der gegebenen Handelskonzentration am österreichischen Markt nur zu einem kleinen Teil bzw. mit Verspätung umgesetzt werden. So sind die

Preise für Milchprodukte insgesamt im Geschäft im Jahresvergleich um lediglich 3 % gestiegen, allein bei Butter lag der Wert bei 21,6 %. Der Österreicher gibt im Durchschnitt 1,5 % seines Einkommens für Milchprodukte aus.

Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie wurde weiter ausgebaut. Vor diesen herausfordernden Rahmenbedingungen hat die Milchwirtschaft weitere Schritte zum Ausbau der österreichischen

Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie gesetzt, bzw. werden diese weiter ausgebaut. „Die österreichische Milchwirtschaft sieht ihre Aufgabe darin die Lebensmittelversorgung mit hochwertigen und nachhaltigen Milchprodukten sicher zu stellen. Wir wollen dazu unsere Vorreiterrolle bei Qualität und Nachhaltigkeit auch in schwierigen Zeiten weiter ausbauen", erklärte dazu der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Dir. Helmut Petschar.

Die Gesamtanlieferung ist mit 3,4 Mio. t in Österreich um 0,5 % leicht gestiegen, wobei zu Beginn des Jahres eine niedrigere und in der zweiten Jahreshälfte eine steigende Anlieferung zu beobachten war.

Der Anteil von Biomilch konnte weiter gesteigert werden, Österreich erreichte mit 19,4 % bzw. 613.000 t den höchsten Bioanteil in der EU. Dazu kommen mit Heumilch und der Biowiesenmilch weitere höherwertige Milchsorten.

Die Großhandelspreise für Milchprodukte zeigten zuletzt eine sehr feste Entwicklung. Bereits vor dem Ukrainekrieg kam es zu unüblich festen Notierungen, die infolge des Ukrainekrieges nochmals anstiegen. Hintergrund ist eine stabile Absatzsituation und eine weltweit gute Nachfrage, während die Produktion in großen Milchproduktionsländern der EU und auch in anderen wichtigen Exportländern rückläufig war.

Erstmals seit zwölf Jahren verzeichnete die EU damit eine rückläufige Anlieferung. Die Gründe dafür sind rückläufige Kuhzahlen und dramatisch gestiegene Kosten, verbunden mit einer teils geringeren Futtergrundlage infolge von Trockenheit oder strengere Umweltauflagen in wichtigen Produktionsgebieten.

Die Erzeugerpreise konnten in Österreich sowie in der EU zulegen, besonders in den letzten Monaten. Die Zuschläge bei den Erzeugerpreisen erreichten aber nicht die Anstiege der

Notierungen auf den Spotmärkten. Hier lassen die bisherigen Abschlüsse mit den Handelsketten nur eine gebremste Preisentwicklung zu. Der durchschnittliche Auszahlungswert konnte 2021 auf 44,82 Cent (2020 42,65 Cent) für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen inkl. USt. um 5,1 % zulegen. Für

gentechnikfreie Qualitätsmilch wurden durchschnittlich 36,01 Cent/kg erzielt (2020: 34,26 Cent, für Milch mit 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß, ohne USt.), im Februar 2022 39,43 Cent.

 

Weitere Informationen über die Milchverarbeitung in Österreich gibt VÖM, voem@milch.or.at