Wienerland Zeitung
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Erstellungsdatum: 04. Oktober 2018, 12:04 Uhr


Autor: Fritz Peterka

Schiene schafft Wachstum und Wohlstand



 

Europaweit einzigartige WKO-Studie belegt:

Schiene schafft Wachstum und Wohlstand in Österreich

 

(Wien, 4. Oktober 2018, WKO) ImRahmen einer österreichweiten Studie, die der Fachverband Schienenbahnen der WKO in Auftrag gegeben hat, untersuchte das Economica Institut die wirtschaftlichen Leistungen der ÖBB, privaten Regionalbahnen, innerstädtischen Verkehrsbetriebe und der privaten Güterbahnen. Noch nie wurde das gesamte System Bahn eines Landes in diesem Umfangund dieser Tiefeanalysiert. Überdurchschnittliche Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte aller Bahnensind Teil der Ergebnisse.

 

Am 4. Oktober stellten der verantwortliche Bundesministerfür VerkehrInnovation und Technologie Norbert Hofer, WKO Fachverbandsobmann Thomas Scheiber, die Vorstandsdirektorin der ÖBB­ Infrastruktur AG Silvia Angelo, Wiener LinienDirektor Günter Steinbauer und Andreas Mandl, Vorsitzenderdes WKO FachverbandausschussesGüterverkehr, gemeinsam mit Studienautor Dr. Christian Helmenstein die Ergebnisse vor. Insgesamt haben neben den ÖBB, die fünf größten städtischen Verkehrsbetriebe (Wien, Graz, Linz, Salzburg, lnnsbruck), zehn private Regionalbahnenunddie sieben größtenprivaten Güterverkehrsbetreiber teilgenommen. "Unsere volkswirtschaftlichen Auswertungen der Österreichischen Bahnindustrie sind ebenfalls in diese Berechnungen eingeflossen", so Helmenstein. "System Bahn bedeutet zuallererst, dass es sich dabei umkein Neben-, sondernein Miteinander handelt. Es bestehen starke wechselseitige Abhängigkeitenund wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den einzelnen Unternehmen und ihren Tätigkeiten. Dabei gibt es kein ,Groß' oder ,Klein', ,Wichtig' oder ,Unwichtig'- vergleichbar, wie bei einem komplexenOrganismus, erklärt Helmenstein.

 

Betriebsleistung der Bahn schafftWirtschaftswachstum und Beschäftigung

 

Im Rahmen der Studie wurde die Betriebsleistungaller teilnehmenden Schienen­verkehrsunternehmen auf Herz undNieren geprüft und ausgewertet. "Nur, wenn man einen Sektor in seinervollen Breite analysiert, kann man seine gesamte wirtschaftliche, gesellschaftliche und auch politische Bedeutung ableiten",so Fachverbandsobmann Thomas Scheiber über das Ziel der Studie.

Bundesminister NorbertHofer stelltvor allem den hohen Beschäftigungseffekt der heimischen Bahnen in den Vordergrund: "Das,Bahnland Nummer 1 in der EU', das sind nicht nur viele Zahlen,sondern in erster Linie Menschen -Fahrgäste, Pendler,Schüler, Touristen und vor allem mehr als 100.000 Beschäftigte, die über acht Milliarden Euro an Wertschöpfung schaffen."


Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

 

 

•Der gesamte Bruttowertschöpfungseffekt des Systems Bahn liegt bei 8,18 Milliarden Euro.

Das ist mehr als das Doppeltedes gesamten BMVIT-Budgets.

•Das SystemBahn umfasst 2,6 Prozentder Bruttowertschöpfung Österreichs.

Es liegt damit über dem aktuellen BIP-Wachstum von 2,55 Prozent(2017) und ist unmittelbarer Wachstums- und Wohlstandstreiberin der heimischen Wirtschaft.

•Insgesamt sind es 101.179 Personen,deren Arbeitsplätze durch das System Bahn geschaffen oder gesichert werden. Das entspricht circa der Einwohnerzahl der Stadt Klagenfurt,

oder jedem 42. Erwerbstätigen in Österreich.

•Zehn Personen, die bei Österreichs Bahnen beschäftigt sind, schaffen weitere sechs Arbeitsplätze.

 

Österreicher fahren EU-weit am meisten mit der Bahn

 

Beim Schienenpersonenverkehr ist ÖsterreichSpitzenreiter in der Europäischen Union. Durchschnittlichfährt jeder Österreicher 2.255 Kilometer pro Jahr mit Zug, Straßen- und U-Bahn. Das ist mehr als das Doppelte als der EU-Durchschnitt (1.090km). Hinter Österreich liegen weit abgeschlagen Tschechien mit 1.860 Kilometern und Frankreich mit 1.555 Kilometern. Die Österreicher fahren nicht nur viel Bahn, sondernsie tun dies auch sehr gerne: Laut aktueller Studieder Europäischen Kommission sind Österreicher EU-weit am zufriedensten mit dem Bahn-Service und den Bahn-Reisen.

 

ÖBB ist Wachstumsturbo im österreichischen Bahnsystem

 

Knapp 5 Milliarden Euro Wertschöpfung wurden 2016 durch den laufenden Betrieb der ÖBBgeneriert. Die ÖBB selbst beschäftigen ca. 42.000 Mitarbeiter- weitere 20.000 Jobs sind im Umfeld der ÖBB entstanden und bietenden Menschen eine außergewöhnlichhohe Jobsicherheit. Mit ihrer Performance sichern die ÖBB also insgesamt62.000 Arbeitsplätze im Land, dazukommen 1.900ausgebildete Lehrlinge pro Jahr.

•Zwei Jobs in den ÖBB sichern einen weiteren Arbeitsplatz in der österreichischen Wirtschaft.

 

•Die ÖBB kommen auf eine Steuerleistung von jährlichrund zwei Milliarden Euro. Insgesamt bringen die ÖBB dem Fiskus damit fast doppelt so viel, wie die Einnahmenaus der Grunderwerbssteuer oder der Versicherungssteuer.

"Wir sind uns dieser Verantwortung als starker Partner und Motor der heimischen Wirtschaft bewusst. Als einer der größten Auftraggeber der Österreichischen Bau- und Bahnindustrielegen wir gemeinsammit unserenPartnern den Grundstein für den internationalen Erfolg der heimischen Schienenbahnen und sorgen für zehntausende sichereJobs", sagt Silvia Angelo, Vorstandsdirektorin der ÖBB-Infrastruktur AG.

 

Private Regionalbahnen erhalten und schaffenattraktive Regionen

 

Private Regionalbahnen sind die "Spezialisten" im Bahnland Österreich. Ihre zentrale Stärke liegt in der regionalen Verankerung. Im Personenverkehr fungierensie als Zubringer zu den Hochleistungsstrecken, im Güterverkehr nehmen sie eine unverzichtbare Sammel- und Verteilerfunktion wahr. Dies wirkt sich auch erheblich auf die Bruttowertschöpfung und Beschäftigung aus:

•Zehn Euro, die im laufenden Betrieb erwirtschaftet werden, generieren weitere acht Euro an Wertschöpfung inder Region. Diese Zahl sprichtfür die Funktion der privatenRegionalbahnen als regionaler Wirtschaftsmotor und Auftraggeber für Vorleistungen, die vorwiegend in der Region vergebenwerden.

•Zehn Arbeitsplätze bei den privatenRegionalbahnen schaffen weitere neun Arbeitsplätze,also fast eine Verdoppelung. "Der überwiegende Großteil dieser Arbeitsplätze wird wieder direkt in den Regionengeschaffen und gibt den Menschendort Chancen - und das in doppelterWeise: Entweder in Form von Beschäftigung und Einkommen oder in Form von Mobilität", ergänzt Scheiber.

 

ÖffentlicherSchienenverkehr erhöht die Lebensqualität in Städten

 

Bis zum Jahr 2050 werden rund eine Million Menschen mehr in Österreichs Ballungsräumen leben. Der öffentliche Personennahverkehr ist in Österreichs Städten unverzichtbar und erfolgreich: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Anzahl der Fahrgäste um rund ein Viertel erhöht. 2005 waren noch1,02 Milliarden Personen mit den Öffis unterwegs, 2015 waren es schon 1,27 Milliarden. "Die Österreicher wissen, warum sie auf öffentliche Schienenverkehrsmittel setzen. Sie sind nicht nur umweltschonend, sondern auch platzsparend-diesist vor allem bei der stark wachsendenBevölkerung in Städtenein erheblicher Faktor: Eine Straßenbahn entspricht rund 200, eine U-Bahnfahrt sogar rund 880 Autofahrten", so der Obmann-Stellvertreter im Fachverband Schienenbahnen und Direktorder Wiener Linien Günter Steinbauer.

•Der gesamte Beschäftigungseffekt des analysierten ÖPNVs inÖsterreich beträgt 7.470 Personen.

•Diese erwirtschaften eine Bruttowertschöpfung von über einer MilliardeEuro.

 

Privater Schienengüterverkehr als "Hidden Champion"

 

Die privatenGüterverkehrsbetreiber sind ein gutes Beispieldafür, wie sehr das "Bahnland Österreich"miteinander verzahnt ist. Die Unternehmen profitieren von einer gutenvorhandenen Bahn-Infrastrukturund nutzen diese möglichst effizient, vorwiegend imGanzzugverkehr. Gleichzeitig ist dieser Sektor auch sehr heterogen. Insgesamt konnte der private Schienengüterverkehr seinen Marktanteil imVerkehrsaufkommen im Vergleich zum Vorjahr (2016) von 29,1 Prozent auf 30,2 Prozent (2017) steigern. Ebenfalls ein wichtiger Player im privatenSchienengüterverkehr und Teil des "Bahnlandes Österreich"sind Privatgüterwagen,auf die Bahnen und die verladende Wirtschaft zurErgänzung ihrer Fuhrparks angewiesen sind. "Ohne private Marktteilnehmer- Güterverkehrsbetreiber, Anschlussbahnen, Halter von Eisenbahngüterwagen- und deren Investitionen in rollendes Material wäre ein Schienengüterverkehr im heutigen Umfangund in dieser Effizienz nicht möglich", erläutert Andreas Mandl, Vorsitzender des Ausschusses Güterverkehr in der WKO. Bei den privaten Güterbahnen liegt der Fokus der Studie klar auf dem Beschäftigungsmultiplikator. Dieser zeigt, dass sich die Unternehmenpraktisch ausschließlich auf ihr Kerngeschäft spezialisieren, alles andere auslagern und damit massiv Beschäftigung schaffen. Ein Arbeitsplatz bei den privatenGüterverkehrsbetreibern schafft beinahe zwei weitere

Arbeitsplätze.

 

Investitionen in die Schiene sind wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig

 

Herausforderungen gibt es genügend: Im Verkehr liegt das mit Abstand größte Potenzial, Klima- und Energieziele zu erreichen, die verstärkte Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene ist unverzichtbar. Der öffentliche Personennahverkehr ist der wichtigste Hebel, um die Mobilitätswende in den wachsenden Städtenzu schaffen und Einwohner zum Umstieg vom Individualverkehrzu bewegen. Der Ausbau der Regionalbahnen ist entscheidend, um Regionenund periphere Gebiete attraktiv zu halten.

"Das BahnlandÖsterreich ist eine Erfolgsgeschichte und schafft Wohlstand. Die Österreichischen Schienenbahnunternehmen haben sich von starren Verwaltungsunternehmen zuwirtschaftlichen und innovativen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Mit den Ergebnissen der Studie "BahnlandÖsterreich" haben wir dafür nichtnur eine Bestätigung, sondern eine empirischhaltbare Grundlage für die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Bahnen", so Bundesminister Hofer und Fachverbands-Obmann Scheiberübereinstimmend.

 

Über den Fachverband der Schienenbahnen

 

Der Fachverband Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich ist die österreichweite Interessensvertretung für alle Eisenbahnen und städtischen Nahverkehrsunternehmen. Derzeitumfasst der Fachverband 105 Mitglieder und vertritt diese auch auf EU-Ebene. Neben der Initiierung und Begutachtung von Gesetzen, fungiert der Fachverband auch als bewährter Sozialpartner und verhandelt für seine Mitgliedsunternehmen branchenweit die Kollektivverträge im Eisenbahnbereich.

 

Fachverband der Schienenbahnen

 

Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien, T +43 (0)5 90 900- 31651 F +43(0)5 90 900-242,schienenbahnen@wko.at,www.schienenbahnen.at